Auf den Spuren von Fontane im Oderbruch

Es ist eine Reise bis an den östlichsten Rand von Brandenburg. Unweit der Grenze zu Polen liegt das Oderbruch. Riesige Felder, durchzogen von Wassergräben, dazwischen ein paar niedrige Büsche soweit das Auge reicht. Das frühere Sumpfgebiet ließ einst der „Alte Fritz“ trocken legen und von neuen Bewohnern besiedeln. Das lässt sich auch heute noch an vielen Ortsnamen erkennen: Sie heißen Neureetz, Neulietzegöricke oder Neuküstrinchen, um nur einige zu nennen. So ungewöhnlich wie manche Dorfnamen hier klingen, so eigensinnig ist auch die flache, weite Landschaft, die bestens mit dem Fahrrad erkundet werden kann.
Auf den Spuren von Fontane im Oderbruch
Bild: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann

Mit dem Zug geht es in etwas mehr als einer Stunde von Berlin über Eberswalde bis nach Bad Freienwalde. Es ist der älteste Kurort Brandenburgs, der zwischen den Ausläufern des hügeligen Barnims und des flachen Oderbruchs liegt. „Hübsches Wort für hübschen Ort“, schrieb Theodor Fontane einst in seinen Wanderungen über „die Bergstadt im Oderland“.

Weiter geht es den violett-farbenen Wegweisern des Theodor-Fontane-Radweges folgend in den Ortsteil Schiffmühle, wo das „Fontanehaus“ steht. Hier im Ortsteil Neutornow lebte zwischen 1855 und 1867 Theodor Fontanes Vater. Louis Henri Fontane war Apotheker und verbrachte dort, getrennt von seiner Frau, seinen Lebensabend bis zu seinem Tod 1867. „Ich besuchte ihn alle Jahr einmal“, schrieb Theodor Fontane in seinem autobiographischen Roman „Meine Kinderjahre“. Zuletzt war er im Sommer 1867 in der ehemaligen Schifferkolonie gewesen. Sein Grab liegt übrigens im benachbarten Ortsteil Neutornow hoch oben auf dem kleinen Bergfriedhof am Fuße der kleinen Dorfkirche.

Französisch klingende Dorfnamen: Von Neutornow bis nach Neuküstrinchen sind es knapp neun Kilometer. Es sind nicht die einzigen Orte, welche die Silbe „Neu“ im Ortsnamen tragen. Allesamt sind es ursprünglich königliche Kolonistendörfer, die nach Trockenlegung des Oderbruchs durch den preußischen König Friedrich II. (Friedrich der Große) zwischen 1747 und 1762 neu entstanden sind. Die ersten Siedler in dieser Gegend wurden einst gezielt außerhalb Preußens mit Vergünstigungen angelockt. An die meist aus der französischsprachigen Schweiz stammendenden frankophonen Bewohner erinnern heute noch die Ortsnamen Beauregard, Croustillier und Vevais. Auch Theodor Fontane schrieb darüber in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ in dem Band „Das Oderland“.

Nun ist die Oder nicht mehr weit. Der Wind frischt auf je näher man dem Wasser kommt und sorgt für etwas Abkühlung. Ein guter Sonnenschutz ist an heißen Tagen unerlässlich, weil schattenspendende Bäume im Oderbruch rar gesät sind. Dann ist es auch gleich Zeit für eine Mittagspause in der Dammmeisterei in Zollbrücke, die direkt hinter dem Deich liegt. Wer Lust auf Kultur hat und zwischen Donnerstag und Sonntag hier ist, dem sei ein Besuch des „Theaters am Rand“ empfohlen, das im Laufe der Jahre immer weiter gewachsen ist. Wer dann noch einen Nachtisch mag, sollte unbedingt einen Abstecher zum Ziegenhof Zollbrücke machen. Neben Ziegenkäse gibt es hier auch Eis aus Ziegenmilch. Das Besondere daran: Das Eis wird hier wie zu DDR-Zeiten in einer Waffel in Muschelform verkauft.

Übernachten im Güterwaggon: Wer mit der süßen Nachspeise noch etwas warten möchte, fährt bis zum Kolonisten-Kaffee nach Neulietzegöricke, wo hausgemachte Kuchen zu haben sind. Von dort aus sind es rund 15 Kilometer bis nach Groß Neuendorf, das am Oder-Neiße-Radweg liegt. Schon von weitem sind der charakterische alte Verladeturm um die ehemalige Hafenanlage zu sehen. Bis 1973 war der Ort an das Netz der ehemaligen Oderbruchbahn angebunden. Getreide wurde von hier aus auf die Bahn sowie Schiffe umgeschlagen und zum Teil bis nach England transportiert. An diese industrielle Zeit erinnern fünf dunkelgrüne Güterwaggons, in denen man heutzutage übernachten kann.

Danach geht es über Letschin bis nach Altlewin. Ein wirklich beschaulicher Ort, an dem man unbedingt anhalten sollte. Das Ensemble mit der kleinen Backsteinkirche und dem daneben liegenden Dreiseithof sowie das alte Schmiedegehöft stehen heute unter Denkmalschutz. Wer sich stärken möchte, findet eine reichhaltige Auswahl an Wild- sowie Fischgerichten im Restaurant „Alter Fritz“.

Die letzte Station der Oderbruch-Rundtour ist Kunersdorf. Diesem Ort kurz vor Wriezen hat Theodor Fontane sogar ein ganzes Kapitel in seinen „Wanderungen“ gewidmet. Die Grabkolonnade, der Schlosspark, die Kirche sowie das Chamisso-Literaturhaus im Kunersdorfer Musenhof bilden ein einzigartiges Dorfensemble des Klassizismus.

Weitere Informationen: www.reiseland-brandenburg.de/ausfluege-tourentipps/ausflugstipps/fontane-200
(Text: TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH)

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