Sicher an Bord

Wenn sich vor dem Start des Flugzeugs die Stewardessen und Stewards im Gang aufstellen oder ein Sicherheitsvideo abgespielt wird, schalten viele an Bord ab. Wie der Gurt funktioniert, weiß man. Und ist alles andere nicht ohnehin unwichtig? Schwimmwesten, Atemmasken, Notausgänge... Fliegen ist sicher. Warum also genau zuhören, was da geredet wird?
Sicher an Bord
Bild: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-tmn

Ganz falsch, sagen Experten. Natürlich ist Fliegen sehr sicher. Die Sicherheitsinstruktionen vor dem Abflug nehmen Passagiere trotzdem lieber ernst. Fluggäste sollten diese Einweisungen immer aufmerksam verfolgen, betont das Luftfahrt-Bundesamt (LBA).

«Wir können nur jedem raten, auch wenn man schon zigfach mit einer Fluglinie geflogen ist, immer den Erläuterungen zu folgen», sagt Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow. Er rät auch zu einem Blick in die Sicherheitsbroschüre.

Jachnow verfährt bei jedem neuen Flug nach diesem Prinzip. «Ich finde es persönlich immer extrem wichtig, zu wissen, wo der nächste Notausgang ist.» Er schaut etwa stets, wo sich die Schwimmweste befindet, denn sie kann je nach Flugzeugtyp oder Sitzklasse woanders platziert sein. «Und ich lausche den Einweisungen.»

Das Zuhören ist das eine, das Befolgen der Anweisungen das andere. Hier gilt ebenfalls die Devise: lieber daran halten. Dafür gibt es gute Gründe, wie der folgende Überblick zeigt:

- Sitze senkrecht stellen und Tische hochklappen: Diese Anweisung kommt zu Recht vor Starts und Landungen. Wenn der Flieger landet, kann man sich bei einem harten Aufsetzen oder scharfen Bremsmanöver an dem Tisch verletzen. Die Anweisung soll die Verletzungsgefahr in jenen Flugphasen, die allgemein am kritischsten sind, reduzieren - und im Evakuierungsfall sicherstellen, dass man die Sitzreihe möglichst schnell verlassen kann.

Hinzu kommt: Wenn der Tisch heruntergeklappt oder der Sitz vor ihnen nach hinten gekippt ist, können Passagiere die Notfallsitzposition nicht einnehmen - Kopf zwischen die Beine und Arme über den Kopf.

- Sonnenblenden hochstellen: «Das ist weniger für die Fluggäste, sondern für die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter wichtig», erklärt Jachnow. Sie müssen die Situation außerhalb des Fliegers einschätzen können. Nur so treffen sie im Notfall die richtigen Entscheidungen. «Wenn es im Bereich der Tragflächen brennt, sollten sie dort keine Notausgangstüren öffnen. Dann würden sie die Passagiere ja in die Flammen schicken», schildert er ein fiktives Beispiel.

- Bei Druckabfall erst selbst die Sauerstoffmaske aufsetzen und erst danach zum Beispiel Kindern helfen: Das ist wichtig, weil es in großen Flughöhen laut LBA nur wenige Sekunden dauern kann, bis man ohnmächtig wird. Selbstschutz geht in diesem Fall immer vor.

- Angeschnallt bleiben: Auch wenn die Anschnallzeichen erlöschen, bleiben Passagiere lieber angeschnallt. Bei der Lufthansa ist das sogar Pflicht - außer es gibt gute Gründe für das Abschnallen wie etwa einen Toilettengang. «Es kann immer wieder überraschend zu Turbulenzen kommen, bei denen man froh ist, wenn man an seinem Sitz festgeschnallt ist», sagt Jachnow.

Solche Turbulenzen kann es jederzeit geben, etwa durch andere Flugzeuge, die kurz vorher auf der Strecke geflogen sind oder durch Klarluftturbulenzen, bekräftigt das LBA. Letztere können zu den sogenannten Luftlöchern führen, also plötzlichen Höhenänderungen des Flugzeugs, wodurch nicht angeschnallte Insassen durch die Maschine geschleudert werden können. 2018 wurden dem LBA etwa ein Dutzend Verletzungen im Zusammenhang mit Turbulenzen gemeldet.

Kürzlich sorgte ein Zwischenfall auf einem Air-Canada-Flug für Schlagzeilen. Die Maschine, die aus dem kanadischen Vancouver nach Australien unterwegs war, geriet über dem Pazifik in Turbulenzen - 37 Menschen wurden dabei verletzt. Augenzeugen berichteten, dass einige Passagiere sich den Kopf an der Decke gestoßen hätten. Sie waren nicht angeschnallt.

- Alles liegen lassen im Notfall: Im Mai 2019 fing eine Maschine bei einer Notlandung in Moskau Feuer, 41 Menschen an Bord starben, nur 37 überlebten. In sozialen Medien gab es nach dem Unglück Berichte, dass Fluggäste anderen den Weg zu den Notausgängen versperrten. Sie sollen sich lieber um ihre Rucksäcke und Köfferchen in den Ablagen gekümmert haben. Ob wahr oder nicht: Solch ein Verhalten wäre in Notfallen absolut falsch, bestätigt das LBA.

- Schweres Handgepäck unter den Vordersitz: Dies soll die Verletzungsgefahr beim Öffnen der Gepäckfächer nach der Landung mindern - und auch bei dem unwahrscheinlichen Fall, dass sich die Fächer wegen heftiger Turbulenzen während des Flugs öffnen. So oder so: «Keiner möchte den Alu-Trolley seines Sitznachbarn auf dem Schoß haben», sagt Jachnow. Deshalb lautet der Rat: Nur leichtes Handgepäck und Jacken in die Ablagen packen.

- Flugmodus bei elektronischen Geräten: Das soll eventuelle Störungen der Bordelektronik verhindern - eine reine Vorsichtsmaßnahme. Dem LBA ist kein Fall bekannt, wo es tatsächlich zu Störungen gekommen ist. Ausschalten muss man sein Tablet oder Smartphone nicht, sagt Jachnow.

- Gurt geschlossen lassen, bis die Maschine geparkt hat: Nach der Landung rollt der Flieger mal länger und mal kürzer, bis er die Parkposition erreicht. So lange sollen Passagiere angeschnallt bleiben. Mancher fragt sich: Warum? Klare Antwort des LBA: Auch auf dem Rollfeld muss ein Pilot die Maschine manchmal spontan bremsen. Zum Beispiel, wenn ein Bodenfahrzeug nicht anhält. Wer dann schon aufgestanden ist und in der Ablage stöbert, landet unter Umständen schmerzhaft auf dem Boden des Kabinengangs.
(Text: Tom Nebe, dpa)

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